Stille

und es ward Stille
als sich der letzte Hauch
auf seinen Weg begab
im Endlos schwebte und versank

und es ward Stille
als leis die Nacht
den seiden Mantel über uns getan
als sich das Leben aufwärts schwang und sang
lebt wohl adieu ich gehe

und es ward Stille
als sich ein Sandkorn rieb
und Tränen seine Nahrung gab
zu weilen reibend dort an wunden Stellen
©&ie

 

 

Trauer:

seelischer Schmerz

über den Verlust

eines geliebten Wesen

Alle, die einen geliebten Menschen in einer schweren Krankheit begleiten und wissen, dass dieser Mensch sterben wird, befinden sich in einer unwahrscheinlich belastenden Situation.
Ich habe dieses leider erfahren müssen und fühlte mich total hilflos.
Ich wusste nicht, wie ich mit den Ärzten sprechen sollte, was ich fragen und tun könnte, um die Leiden eines Menschen erträglicher zu machen.
Es gibt keine Gebrauchsanweisung für das richtige Verhalten der Menschen, die sich in solch einer Situation befinden. Sie fühlen sich oft allein gelassen mit ihren Ängsten, nicht alles richtig zu machen und glauben, nicht genug das zu tun, was für einen Sterbenden am besten ist.
Auch weiß ich, dass es kaum möglich ist, für sich selber in dieser Situation zu sorgen, d.h. Gespräche über eigene Ängste in bezug auf den Tod des Partners, des Elternteils oder Geschwister zu führen.
Ich möchte auf dieser Seite gerne ein paar Gedanken zu diesem Thema mitteilen, weil ich denke, dass es vielen Menschen ähnlich geht.
Ich habe meinen Mann begleitet, als er an unheilbarem Lungenkrebs erkrankte. Nach der Diagnose lebte er noch vier Monate.

 

Gedicht

 

Tage des Sommers ziehen scheidend vorbei,
Herbst, nicht mehr weit, zeigt sein trügerisches Gesicht.
Ich sehne die Tage der Kindheit in goldnem Licht,
die frohe Zeit der Unsterblichkeit herbei.
Doch der Herbst zeigt mir den Tod
mit Flammen aus Gold, Gelb und Rot.
Öffnet schon den hässlichen Schlund und nimmt mir den Liebsten,
entführt ihn mir in die graue Ewigkeit,
hat kein Erbarmen mit ihm und meinem Leid.
Ließ mich hier, gequält und fast in den Tod getrieben.

An der Elbe, der graubraunen Flut,
schrei ich hinaus meine Trauer,
brülle gegen die grauschwarze Mauer.
Find keinen Trost, mich verlässt der Mut.
Wo ist die Himmelsmutter mit ihrem goldenen Schein,
wärmt mich nicht, lässt mich allein.
Die Qual schüttelt mich mit grässlicher Macht,
hab keinen Schneid alleine zu Leben?
fühle des Herzens ängstliches Beben
in dieser einsamen Hamburger Nacht.

Für Dich, mein Mann, in Liebe und Gedenken,
erzähle ich heute dieses Lied,
zu sagen, das es behütende Liebe gibt.
Für mich, mein Geliebter, muss ich mein Leben neu lenken.
Will mich auf Neues besinnen,
werde mein Leben wieder beginnen.
Sprachst die letzten Worte zu mir,
konntest nur noch zärtlich, leise flüstern.
Höre sie jetzt, als sprächst Du sie gestern,
Geliebte, ich bin immer bei Dir.

 
 
14.11.1999: der Todestag meines Mannes.
Nach kurzer, schwerer Krankheit starb mein Mann.
Bis zum Schluss hatte ich mich geweigert zu glauben, dass er wirklich sterben würde. Ich glaubte noch in der Stunde seines Todes daran, dass er sich plötzlich regeneriert. Alle anderen hatten es seit Monaten gewusst, auch er selber, aber mein Verstand hatte sich ausgeschaltet. Ich war nur noch von Panik regiert. Meine Angst schüttelte mich, und ich glaubte fest an seine Genesung. Hatte sogar mit ihm geschimpft, weil ich meinte, er würde nicht genügend kämpfen.
Als er vom Arzt kam und mir die Diagnose mitteilte, waren wir beide total geschockt. Ich weinte und weigerte mich, diese zu glauben.
Am nächsten Tag suchten wir einen Lungenfacharzt auf, der uns erzählte, mein Mann würde in ein spezielles Krankenhaus in HH-Wohldorf kommen. Dort könnte eine Chemotherapie gemacht werden. Doch leider seien die Wartezeiten zur Aufnahme sehr lang, und er müsste meinen Mann erst einmal anmelden. In der Zwischenzeit sollten noch einige Untersuchungen an verschiedenen Tagen durchgeführt werden.
Ich saß da wie betäubt, keine Frage fiel mir ein. Dabei hätte ich so viel fragen müssen. Erst Jahre später erkannte ich, dass ich mich in einem Schockzustand befunden hatte.
Ich klammerte mich in Gedanken an die Chemotherapie, die den Krebs vernichten sollte. Voller Hoffnung und Zuversicht gingen wir nach Hause.
In dieser Woche wurden die Untersuchungen bei dem Arzt gemacht. Der Termin des Krankenhauses stand allerdings noch nicht fest. Wir warteten.
Nach einer weiteren Woche rief ich bei dem Lungenfacharzt an und bat ihn, in dem Krankenhaus nachzufragen, wann mein Mann kommen könnte. Je früher die Behandlung beginnen würde, desto größer seien die Heilungschancen.
Ich musste feststellen, dass der Arzt meinen Mann noch gar nicht angemeldet hatte.
Er versprach, es sofort zu tun. Ich war verwundert, aber nicht in der Lage, meinen Unmut darüber auszudrücken.
Es waren inzwischen 14 Tage vergangen, und ich musste zusehen, wie mein Mann immer weniger wurde. Er hatte große Angst, und sein gesamtes Denken drehte sich darum, endlich ins Krankenhaus zu kommen, um die dortige Behandlung zu beginnen.
Mir selber ging es nicht anders. Ich versuchte schöne Sachen mit ihm zu machen. An einem Tag fuhren wir an die Ostsee. Es war schon fast Herbst, aber an diesem Tag schien die Sonne, und wir mieteten uns für einige Stunden einen Strandkorb.
Dort lag er und schlief in der Sonne. Er sah so friedlich aus, fast glücklich. Sein Gesicht erschien mir plötzlich klein und hilfsbedürftig. Nie hatte ich ihn vorher so gesehen. Eine große Angst kroch in mir hoch, wollte mich packen. Doch ich schaffte es, sie zu unterdrücken. Wollte stark bleiben, nicht zusammenbrechen und hilflos vor Angst sein. Wusste nicht, dass es besser wäre, zu reden, die Gefühle zuzulassen. Ich sah nur seine Erschöpfung und unterdrückte meine innere Panik. Wie schade für uns beide, aber das erkannte ich erst, als alles zu spät war.
An einem anderen Tag bat er mich, einmal mit ihm durch die Felder zu fahren. Ich fuhr mit ihm in die Schleswig-Holsteinische Schweiz, wo wir in glücklichen Zeiten oft gewesen waren.
Im Schritttempo fuhr ich über Feldwege, stundenlang. Es war, als würde er sich von dem Anblick der schon leicht bunten Bäume, den abgeernteten Feldern und dem strahlend blauen Himmel verabschieden.
Wir fuhren zu einem ganz bestimmten Platz, an dem wir besonders glücklich waren. Er war außerstande, aus dem Auto zu steigen, weil er sehr schwach war. Ich setzte mich einfach über das Verbot, mit dem Auto auf diesen Hügel zu fahren, hinweg. Dort oben konnte er dann aussteigen und durch ein Baumfenster auf die Felder sehen. Ich hörte nur den Wind, sonst nichts, und tatsächlich konnte ich dort oben Kraft und Mut sammeln.
Am nächsten Tag bekam ich von einer Freundin die Adresse eines Reikimeisters. Ich fragte Gerd, ob er die Möglichkeit in Anspruch nehmen wollte, mit diesem Mann zu reden, zu arbeiten, sich ihm anzuvertrauen. Er war dazu bereit.
So fuhr ich ihn dorthin, und wir unterhielten uns zu dritt. Herr Aldo Berti schaffte es, unseren Mut zu mobilisieren. Er sagte uns immer wieder, wir sollten die Hoffnung nicht aufgeben. Das half uns beiden. Zweimal pro Woche ging mein Mann jetzt zu ihm, und Herr Berti gab ihm Reiki. Mir kam es so vor, als ob sich mein Mann dadurch wirklich besser fühlte.
Nach drei weiteren Wochen rief ich erneut bei dem Arzt an, und dieser erklärte mir am Telefon, dass mein Mann auf der Warteliste des Krankenhauses auf Platz 11 vorgerückt war. Ich fühlte in mir eine Wut darüber, dass es vielleicht zu spät sein könnte, bis er auf Platz eins gerückt wäre. Aber wieder konnte ich mich nicht ausdrücken, wollte es auch nicht, brauchte alle Energie für meinen Mann. Ich legte auf und rief selber im Krankenhaus an, schilderte dort die Situation und schon nach zwei Tagen wurde er aufgenommen.
Es folgten wieder Untersuchungen. Die gleichen, die er schon bei dem Lungenspezialisten erleiden musste. Dann endlich die erste Chemotherapie. Entlassung nach fünf Tagen. Daneben erhielt er weiterhin von Herrn Berti Reiki. Nach zwei Wochen die erste Röntgenuntersuchung. Die Ärzte waren erstaunt: der Tumor hatte sich um 75 Prozent verkleinert. Nur die Metastasen im Gehirn hatten sich nicht verändert, waren jedoch auch nicht größer geworden. Große Hoffnung! Die Behandlung bei Herrn Berti wurde weitergeführt, und er bekam die zweite Chemotherapie. Wieder die quälende Übelkeit und andere Nebenwirklungen.
 
Irgendwann bemerkte ich, dass Gerd ein Bein nicht mehr richtig kontrollieren konnte. Besorgt fragte ich ihn, und er bestätigte es. Wie sich herausstellte, kam das daher, dass die Tumore im Gehirn gewachsen waren. Wieder erhielt er Chemotherapie, aber auch die half bei den Gehirntumoren nicht.
In dieser Zeit vergaß ich, wer ich war, dass ich lebte, einen Körper hatte. Alles Denken drehte sich nur um Gerd. Ich wollte es ihm so schön wie möglich machen, versuchen, sein Leid zu lindern. Seine Angst vor dem Sterben war riesengroß.
Wenn er tagelang während der Chemotherapie im Krankenhaus bleiben musste, konnte ich dort im Bett neben ihm übernachten. Mein Dank gilt immer noch den Schwestern im Krankenhaus. Sie sorgten dafür, dass es mir gut ging. Sie verwöhnten mich mit Gesprächen und Essen, brachten mir ständig Kaffee und andere Getränke. Das war nicht selbstverständlich, da ich keinen regulären Anspruch auf Essen und Bett hatte.
Im Hause gab es eine große Bibliothek. Dort fand ich ein Buch mit Gebeten, und ich fing zum ersten Mal in meinem Leben an zu beten. Wenn es meinem Mann sehr schlecht ging, kam ich mir hilflos vor wie ein kleines Kind. Ich zitterte und bebte vor Angst und sprach mit ganzem Herzen immer wieder dieses Gebet:

In den Tiefen, die kein Trost erreicht,

lass doch deine Treue mich erreichen.

In den Nächten, da der Glaube weicht,

lass nicht deine Gnade von mir weichen.

Auf dem Weg, den keiner mit mir geht,

wenn zum Beten die Gedanken schwinden,

wenn die Finsternis mich kalt umweht,

wollest du in meiner Not mich finden.

Wenn die Seele wie ein irres Licht

flackert zwischen Werden und Vergehen,

wenn des Geistes Kraft zu Nichts zerbricht,

wolltest du an meinem Lager stehen.

Wenn ich deine Hand nicht fassen kann,

nimm die meine doch in deine Hände!

Nimm dich meiner Seele gnädig an!

Führe mich zu einem guten Ende!

Am meisten tröstete mich die Stelle: "Wenn ich Deine Hand nicht fassen kann, nimm die meine doch in Deine Hände!"
Ständig wiederholte ich diesen Teil des Gebetes, wie ein Mantra. Ich bat inständig um Hilfe, und dachte, dass ich diese Hilfe bekam.
Nachts, wenn ich still auf dem Rücken lag, konzentrierte ich mich immer wieder auf die eine Textstelle, und es öffnete sich ein von meiner Stirn ausgehender Kanal. Wie ein riesiger Trichter führte er von meiner Stirn in den Äther. Von dort bekam ich die Kraft, die ich brauchte, um meinem Mann zu helfen und mich selber aufrecht zu halten.
Das mag vielleicht seltsam erscheinen, aber es ist tatsächlich so geschehen. Noch heute, in anderen Extremsituationen, kann ich diesen Zustand herbeiführen. Vielleicht ist es nur eine Form der Meditation. Vielleicht aber auch eine echte Kommunikation mit Gott oder den Engeln um ihn. Ich weiß es nicht, bin aber dankbar für diese Form. Möchte mich an dieser Stelle dafür bedanken, dass es mir möglich war, dadurch Hilfe zu bekommen, denn es kann für jeden eine Möglichkeit sein.
Irgendwann bekam mein Mann heftigste Schmerzen. Ihm wurde Morphium gegeben, doch auch das half nicht. Eines Tages bekam er Krämpfe im Gesicht, alle Muskeln verzogen sich dort, und er litt unter schlimmsten Kopfschmerzen. Ich rief Herrn Berti an. Er bat uns, wenn möglich, zu ihm zu kommen, ansonsten wolle er zu uns kommen.
Ich brachte meinen Mann zu ihm, und er erhielt eine Stunde lang Reiki. Danach waren die Schmerzen verschwunden und traten nie wieder auf. Leider konnten die Tumore nicht behandelt werden. Letztendlich starb mein Mann an diesen Gehirntumoren.

Stille

und es ward Stille
als sich der letzte Hauch
auf seinen Weg begab
im Endlos schwebte und versank

und es ward Stille
als leis die Nacht
den seiden Mantel über uns getan
als sich das Leben aufwärts schwang und sang
lebt wohl adieu ich gehe

und es ward Stille
als sich ein Sandkorn rieb
und Tränen seine Nahrung gab
zu weilen reibend dort an wunden Stellen
©&ie
Seit dem Tage seines Todes war Abschiednehmen angesagt! Jetzt konnte ich mich nicht mehr weigern. Jetzt war das "Wir" wirklich gestorben. Hinzu kam, dass eine Freundin sich während der Zeit der Krankheit meines Mannes zurückzog, völlig ohne Abschied. Eine zweite Freundin enttäuschte durch unehrliches Verhalten. Doch ich wollte keinen Abschied! Schon gar keinen für immer.
Doch jeder muss irgendwann lernen, Abschied zu nehmen. Warum? Ich wollte den Zeitpunkt selber bestimmen. Wie sollte ich lernen, damit umzugehen? Wie lernt man, Abschied zu nehmen?
Loslassen, sagen die Psychologen.
Wie sollte ich loslassen? Wie konnte ich etwas loslassen, was ich nicht real anfassen und halten konnte?
Ratlosigkeit, Angst, Verzweiflung! Todessehnsüchte und -phantasien. Es gab keinen Trost.
Die Menschen um mich herum verhielten sich seltsam. Fast schien es mir, als wäre es ihnen peinlich, weil sie mir keinen Trost, kein Mitgefühl geben konnten.
Ich selber hatte diese Unfähigkeit ein Jahr zuvor am eigenen Leib erfahren müssen. Der Mann einer Freundin war damals gestorben, und ich befand mich in einem Zustand der Ratlosigkeit. Wusste nicht, wie ihr beistehen, sie trösten, ihr zeigen, dass mein Herz bei ihr war? War angesichts ihrer Trauer hilflos.
Und nun war ich selber betroffen.
Es war nicht so, dass ich erwartet hätte, von meinen Freunden, Brüdern, oder meiner Mutter getröstet zu werden. Doch wurde ich durch ihre Unsicherheit noch mehr überfordert. Hatte sogar selbst das Gefühl, ich müsste sie trösten.
Um mich herum war absolute Schwärze. Ich befand mich in einem abgeschlossenen Raum, in den kein Laut, kein Lichtstrahl eindrang. Hier war ich, und draußen war die Welt. Und die Welt konnte nicht zu mir durchdringen.
Ich war außer mir, nicht ich selbst, absolut geschockt. Ich konnte und wollte nicht glauben, dass ich meinen Mann nie mehr sehen würde, nie mehr seine Augen auf mir ruhen sollten und ich nie mehr den Blick seiner verliebten Augen sehen könnte. Nie wieder würde ich mich an ihn kuscheln können, ihn streicheln und von ihm gestreichelt werden. Das konnte nicht sein, das war nicht möglich, nicht auszuhalten. Ich wollte selber lieber sterben, als in diesem Zustand zu sein.
Jeden Tag ging ich an sein Grab. Monatelang. Manchmal zwei Mal am Tag. Dort fühlte ich mich nicht besser als zu Hause, doch glaubte ich, ihm näher zu sein.
Eines Tages weckte mich ein kleiner Vogel aus meiner Lethargie. Ein Rotkehlchen, der Lieblingsvogel meines Mannes, setzte sich auf seinen Grabstein, als ich direkt vor dem Grab stand und wieder einmal bittere Tränen vergoss.
Es erstaunte mich, dass der Vogel so ruhig sitzen blieb und mich ansah. Er war keineswegs aufgeregt, schaute vielmehr neugierig zu mir hin. Plötzlich flog er auf und davon. Ich staunte immer noch, dachte jedoch nicht mehr an ihn. Als ich später zur Wasserstelle ging, sah ich das Rotkehlchen dort sitzen.
Ein Gefühl ließ mich ca. 10 Schritte vor ihm stehen bleiben. Der Vogel schaute mich an und kam zu mir geflogen, setzte sich einen Schritt vor mich hin und knickste artig. Ich verhielt mich ganz ruhig, und plötzlich hörte ich mich mit dem Vogel sprechen. Fragte ihn, ob er keine Angst hätte, ob er vielleicht von Gerd geschickt worden sei. Drei Minuten lang blieb der Vogel still sitzen, zeigte keine Angst und knickste, dann flog er davon. Ich habe ihn nie mehr in der Nähe des Grabes gesehen.
Zu Hause sann ich immer wieder über das Verhalten des Vogels nach. Vielleicht war es ganz normal, dass Rotkehlchen sich so benehmen? Doch vorher hatte ich nie solch ein Gehabe bemerkt. Ich kam zu dem Schluss, dass Gerd mir eine Nachricht geschickt hatte: "Höre mit dem selbstzerstörerischen Verhalten auf. Mir geht es gut, ich bin bei Dir, und ich möchte mich verabschieden. Ich muss hier viel lernen, und das kann ich nicht, wenn es Dir so schlecht geht, und Du mich nicht loslässt."
Nach mehreren Tagen suchte ich Hilfe bei einer Ärztin, die mir eine Kur empfahl. Dort begann mein langer Kampf, Abschied zu nehmen. Ich brauchte mehr als drei Jahre, um über die schlimmste Trauer hinwegzukommen.
Aber was hatte ich daraus lernen sollen?
Bis zu dem Tod meines Mannes hatte ich nie auf eigenen Füßen gestanden. Lebte immer in einer sicheren Partnerschaft.
Wenn ich mich zurück entsinne, war ich niemals für mich selber verantwortlich gewesen, hatte mich nie alleine versorgt. Da ich durch den Tod meines Mannes auch meine Arbeit und die Wohnung, in der ich lebte, aufgeben musste (wir waren Hausmeister in einer Schule und wohnten dort in einer Werkswohnung), wurde ich total entwurzelt.
Ich hatte das Gefühl, ein Erdbeben hätte mir alles, wirklich ALLES unter den Füßen weggerissen und zerstört. Was sollte aus mir werden? Wo sollte ich wohnen, arbeiten? In der schlimmsten Phase sah ich mich schon wie eine Obdachlose unter den Brücken leben.
Als ich dann im Herbst zur Kur fuhr, zeigte mir die dortige Psychiaterin eine Liste, in der aufgeführt war, was Menschen wirklich krank machte. Nicht nur psychisch, sondern auch körperlich. Die Liste hatte ein Punktesystem und zeigte auf, dass Menschen, die über 200 Punkte erreichten, ganz sicher körperlich erkrankten. Ich hatte laut dieser Liste über 500 Punkte erreicht, und zwar nur in der Zeit während und nach dem Tode meines Mannes. Die Psychiaterin war höchst erstaunt, denn ich erschien ihr fast wie ein Wunder. Sie überzeugte mich davon, dass ich eine ungewöhnlich starke Frau wäre. Das rettete mir praktisch das Leben.
Natürlich geschahen Veränderungen nicht von heute auf morgen, denn meine Arbeits- und Wohnsituation war noch lange nicht geklärt. Doch schaffte ich es, nach weiteren 12 Monaten eine neue Wohnung zu beziehen. Die Arbeit bei der Behörde war mir weiterhin sicher, obwohl ich zu der Zeit eine Erwerbsunfähigkeitsrente bezog.
Ich bin weiterhin in psychiatrischer Behandlung und muss Medikamente gegen Depressionen nehmen, denn das alleine-für-mich-sorgen bereitet mir immer noch Höllenangst. Aber es ist schon leichter geworden, und ich hoffe, eines Tages alles völlig ohne Angst und Depressionen schaffen zu können.
Nun, nach über vier Jahren, glaube ich, den Schmerz überwunden zu haben. Endlich habe ich losgelassen, mich damit abgefunden, dass ich diesen großen Lernprozess so heftig durchmachen musste. So jedenfalls empfinde ich es. Ich sollte und soll etwas lernen. Soll mich auf etwas besinnen, was ich vergessen hatte oder irgendwann einmal in einem anderen Leben falsch gemacht habe.
Natürlich gibt es immer wieder Momente, wo der Verlust meines Mannes mich in Tränen ausbrechen lässt, mich schüttelt wie damals, als er starb. Auch wenn ich mich an all das Leid erinnere, was ich durchmachte, und die Unfähigkeit, gemeinsam mit ihm zu weinen.
Dachte ich damals doch, stark sein heißt, nicht zu weinen, nicht miteinander zu trauern. Heute bedaure ich, dass ich nicht mit ihm zusammen habe trauern können. Um sein und unser verlorenes Leben.
Diese Momente wird es vielleicht immer wieder geben, und ich kämpfe auch nicht dagegen an. Denn dazu haben wir zuviel miteinander erlebt, und ich habe gelernt, dass Gegenankämpfen zu Frust und Aggression führt.
Tja, vermutlich ist das ein Teil dessen, was ich lernen soll. Ich bin gespannt und neugierig auf das, was noch alles auf mich zukommen wird, und was ich noch alles zu lernen habe.
Links zum Thema findet Ihr ganz unten auf der Seite

Doch hier noch eine Geschichte, die ich in den Weiten des Internet fand:

 

 

der Tränenkrug 

Eine Mutter hatte ihre kleine Tochter verloren. Sie war sehr traurig über den Verlust ihres geliebten Kindes und weinte den ganzen Tag bittere Tränen. Nichts und niemand konnte sie trösten. 

Eines Nachts erschien ihr das tote Kind im Traum.

In seinen kleinen Händen hielt es einen Krug. Er war bereits am Überlaufen und es schien, als könnte das Kind diesen Krug wegen seines Gewichtes kaum mehr halten. 

Das Kind sagte zu seiner Mutter:"Siehst du - hierin habe ich alle deine Tränen, die du um mich vergossen hast und immer noch vergießt, gesammelt. Jede einzelne. Und nun ist der Krug so schwer geworden, dass ich ihn bald nicht mehr packe.

Und immer noch weinst du, und immer noch fange ich deine Tränen auf und kann mich aber nicht in dieser neuen Welt, in der ich nun sein darf, umschauen und eingewöhnen. Dabei ist es hier so schön.

Bitte, liebe Mutter, weine nicht mehr. Denn ich habe Angst, dass ich deinen Tränenkrug fallen lassen könnte und kann mich doch mitnichts anderem mehr beschäftigen. 

Du sollst nicht traurig sein, denn das macht mich hier doch auch traurig und hindert mich daran, Freundschaften zu schließen und fröhlich zu sein.

Ich habe hier eine neue Familie und Spielkameraden gefunden. Aber weil deine Traurigkeit mich so schmerzt, kann ich nicht ausgelassen sein und spielen.

Bitte, weine doch nicht mehr, damit ich diesen Krug endlich wieder aus meinen kleinen Händen geben kann. Sieh, ich bin gekommen, um dir dieses zu sagen und um dir zu versprechen, dass ich auf dich warten werde. 

Die Mutter weinte fortan nicht mehr und ihr Kind besuchte sie noch oft. Die Mutter war froh darüber, von ihrem Kind zu hören, dass es nun endlich fröhlich sein konnte, und darüber war auch sie froh.

 

 

 Wenn du dich an der Lichterkette beteiligen willst, darfst du gerne das Bann mitnehmen:

 

Hier die Adresse von dem Reikimeister: 

Aldo Berti  Wandsbeker Marktstr. 30 Hamburg Wandsbek Telefon: 04154-840 233, Montags und Dienstags zwischen 9.00 Uhr und  14.00 Uhr und Freitags zwischen 10.00 Uhr und 17.00 Uhr  http://www.Aldo-Berti.de/

 

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